Eva Helfrich
Eva Helfrich
 schrieb am 1. September 2021

4-Tage-Woche bei vollem Gehalt?

„Können Sie sich die Viertagewoche bei vollem Gehalt in Ihrem Unternehmen vorstellen?“ epunkt hat 236 Unternehmensvertreter:innen und Personalverantwortliche gefragt, ob sie sich Islands Vorstoß auch in österreichischen Betrieben vorstellen können. Und spannende Antworten zu diesem heiß diskutierten Thema erhalten.

Isländische Saga oder österreichisches Zukunftsmodell? – Die Umfrageergebnisse

Nur vier Tage pro Woche arbeiten, aber das volle Gehalt bekommen: Was sich immer mehr Arbeitnehmer:innen wünschen, haben 2.500 Menschen in Island im Rahmen des weltweit größten Pilotversuchs getestet. Für die Studie wechselten sie fünf Jahre lang ohne Lohnabzug in die 4-Tage-Woche mit 35 statt 40 Stunden – und waren produktiver, zufriedener und weniger oft krankgeschrieben als zuvor. Geht das auch in Österreich?

83 % der Unternehmensvertreter:innen können sich ein Viertagemodell mit reduzierter Arbeitszeit in ihrem Betrieb vorstellen.

Umfrage Viertagewoche

Pro-Argumente fĂĽr das Viertagemodell

  1. Als häufigstes Argument für die Arbeitszeitverkürzung gaben die Teilnehmer:innen die Work-Life-Balance als Produktivitäts-Booster an: Mehr Zeit für Sport und soziale Aktivitäten wirkt sich positiv auf die Produktivität aus. Wir sind konzentrierter, motivierter und kreativer. Laut Daten der OECD schafft es Österreich innerhalb der 38 Mitgliedsstaaten der OECD bei der Work-Life Balance aktuell nur auf den 24. Platz. Zudem verbringen wir diversen Studien zufolge ohnehin nur einen Bruchteil der acht Arbeitsstunden wirklich produktiv.
  2. An zweiter Stelle steht das Arbeitszeitmodell als Magnet für Fachkräfte: Die 4-Tage-Woche hat sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht durchgesetzt und kann als Pro-Argument für qualifizierte Kandidat:innen entscheidend sein. Zusätzlich steigert das Mehr an Freizeit die Mitarbeiterbindung ans Unternehmen (weniger Fluktuation).
    Einer kĂĽrzlich erschienenen Umfrage zufolge wĂĽnschen sich 85 % der jungen Menschen in Ă–sterreich eine flexibel einteilbare Arbeitszeit im Sinne der New Work-Bewegung.
  3. Gesundheitliche Vorteile: Mehr Erholungszeit führt zu verringerten Stresswerten, niedrigerem Blutdruck, weniger Burnout-Fällen, weniger Rückenbeschwerden und weniger Fehltagen.
Was fĂĽr die Befragten fĂĽr die 4-Tage-Woche spricht
„Der Freitag war obligatorisch dafür da, dass ich die unerledigten Arbeiten vom Chef aufräume. Mein Job war schon am Donnerstag erledigt. Es könnte jeder für seinen Bereich Verantwortung übernehmen und wir machen am Donnerstag Schluss.“
„Pendler kommen auf weniger Bruttoarbeitszeit, Alternativen mit Home-Office könnten die genannten Punkte ebenfalls aufwerten.“
„Es ist zeitgemäß.“
„Effizientere Arbeitsleistung.“
„Für Menschen – insbesondere Frauen – stellt das einen Zeitgewinn für die Care-Arbeit dar.“
Was für die Befragten für die 4-Tage-Woche spricht„Der Freitag war obligatorisch dafür da, dass ich die unerledigten Arbeiten vom Chef aufräume. Mein Job war schon am Donnerstag erledigt. Es könnte jeder für seinen Bereich Verantwortung übernehmen und wir machen am Donnerstag Schluss.“
Was für die Befragten für die 4-Tage-Woche spricht„Pendler kommen auf weniger Bruttoarbeitszeit, Alternativen mit Home-Office könnten die genannten Punkte ebenfalls aufwerten.“
Was für die Befragten für die 4-Tage-Woche spricht„Es ist zeitgemäß.“
Was für die Befragten für die 4-Tage-Woche spricht„Effizientere Arbeitsleistung.“
Was für die Befragten für die 4-Tage-Woche spricht„Für Menschen – insbesondere Frauen – stellt das einen Zeitgewinn für die Care-Arbeit dar.“
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Contra-Argumente und Bedenken

17 % der Befragten waren nicht überzeugt von dem Modell. Knapp die Hälfte befürchtet zu hohe Mehrkosten. 30 % können sich dieses Arbeitszeitmodell nicht für die eigene Branche vorstellen. 20 % gaben andere Argumente an. Bedenken kommen speziell in Bezug auf Öffnungszeiten, Schichtorganisation oder das Ungleichgewicht zwischen Mitarbeitenden:

Was fĂĽr die Befragten gegen die 4-Tage-Woche spricht
"WĂĽrde ein Ungleichgewicht zwischen Mitarbeiter:innen in der Produktion und im BĂĽro ergeben."
"Man benötigt für sehr viele Tätigkeiten eine/n Mitarbeiter:in anwesend oder zumindest im Journaldienst (Verkauf, Hotline, Support). Man muss Öffnungszeiten abdecken, wir können unser Geschäft nicht freitags zusperren."
"Unser Dienstleistungsunternehmen ist an Öffnungszeiten mit Kundenfrequenz gebunden. 4-Tage-Woche bedeutet erhöhten Aufwand bei der Einteilung von Schichten etc."
"Alternativ: 38,5 Stunden in vier Tagen."
Was fĂĽr die Befragten gegen die 4-Tage-Woche spricht"WĂĽrde ein Ungleichgewicht zwischen Mitarbeiter:innen in der Produktion und im BĂĽro ergeben."
Was für die Befragten gegen die 4-Tage-Woche spricht"Man benötigt für sehr viele Tätigkeiten eine/n Mitarbeiter:in anwesend oder zumindest im Journaldienst (Verkauf, Hotline, Support). Man muss Öffnungszeiten abdecken, wir können unser Geschäft nicht freitags zusperren."
Was für die Befragten gegen die 4-Tage-Woche spricht"Unser Dienstleistungsunternehmen ist an Öffnungszeiten mit Kundenfrequenz gebunden. 4-Tage-Woche bedeutet erhöhten Aufwand bei der Einteilung von Schichten etc."
Was fĂĽr die Befragten gegen die 4-Tage-Woche spricht"Alternativ: 38,5 Stunden in vier Tagen."

De facto bedeutet die Arbeitszeitverkürzung eine Gehaltserhöhung um mehrere Prozent. Unternehmen, die sich das leisten können, sind solche, die besonders qualifizierte Mitarbeiter:innen suchen.


Mutige CEOs, optimierte Prozesse, Vertrauen: Was braucht es, damit das Viertagemodell funktioniert?

Nach der Anzahl der Stimmen gereiht:

  1. Verbesserte interne Kommunikation
  2. Klarere Zuständigkeiten
  3. Verkürzte Meetings („Meetings that could have been mails“ werden tatsächlich zu Mails)
  4. Streichen von unwichtigen Aufgaben
  5. Eine staatliche Subvention der verkĂĽrzten Arbeitszeiten
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche
"Mutige CEOs (kam mehrfach), ein klares & transparentes Ziel sowie ein Vorleben der Werte und Kultur seitens des Managements"
"Ein gutes Anwesenheitskonzept"
"Gesteigertes Vertrauen in die Mitarbeiter:innen"
"Klares Regelwerk der wechselseitigen Erwartungen"
"Best Practice-Austausch, gesetzliche Rahmenbedingungen (z. B. Überstundenregelungen, Umstiegsregelung durch die Kollektivverträge)"
"Deutliche Reduktion der Lohnnebenkosten"
"Akzeptanz auch auf Kundenseite"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Mutige CEOs (kam mehrfach), ein klares & transparentes Ziel sowie ein Vorleben der Werte und Kultur seitens des Managements"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Ein gutes Anwesenheitskonzept"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Gesteigertes Vertrauen in die Mitarbeiter:innen"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Klares Regelwerk der wechselseitigen Erwartungen"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Best Practice-Austausch, gesetzliche Rahmenbedingungen (z. B. Überstundenregelungen, Umstiegsregelung durch die Kollektivverträge)"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Deutliche Reduktion der Lohnnebenkosten"
O-Töne der Befragten zum Gelingen der Viertagewoche"Akzeptanz auch auf Kundenseite"

Adieu, Präsenzkultur? Die Vertrauens(arbeitszeit)frage

Muss sich unsere Einstellung zur Arbeit verändern?

66 % sind der Meinung, unser Zugang zur Arbeit muss weg von der Anwesenheits- und hin zur Ergebniskontrolle.

4 Tage Woche

Die Vertrauensfrage stellt sich immer wieder. Was Ergebniskontrolle angeht, hinkt Österreich im internationalen Vergleich hinterher. Das österreichische Arbeits(zeit)recht kennt den Begriff "Vertrauensarbeitszeit" nicht, während diese in Deutschland längst etabliert ist. Auch im jüngsten Home-Office-Paket hat die gelebte Vertrauenskultur nicht Fuß gefasst. Knapp ein Drittel der Befragten kommt trotzdem bereits in den Genuss des Modells Ergebniskontrolle statt Präsenzkultur. 66 % sind der Meinung, dass hier Nachholbedarf besteht.

epunkt hat 2008 ein flexibles Arbeitszeitmodell mit einer 4-Tage-Woche, dem 10-Monats-Jahr, Home-Office und Vertrauensarbeitszeit eingefĂĽhrt. Funktioniert gut ;)

Weniger Arbeitszeit, mehr Output: So funktioniert’s in Best-practice-Unternehmen

Ă–sterreichische Beispiele fĂĽr eine erfolgreiche ArbeitszeitverkĂĽrzung gibt es z. B.:

  • beim MĂĽhlviertler Online Marketing Unternehmen eMagnetix, das 2018 unter dem Motto "30 sind genug" die 30-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt fĂĽr alle Mitarbeiter:innen eingefĂĽhrt hat. Der Anlass: zu wenig Bewerbungen. Seit der ArbeitszeitverkĂĽrzung hat sich die Anzahl der Bewerbungen vervielfacht, ebenso die Qualität und Mitabeiter:innen sowie Kund:innen seien zufrieden. 86 % der Mitarbeiter:innen fĂĽhlen sich seither gesunder als zuvor und fĂĽr 63 % sei die Arbeitslast gesunken, erzählt GeschäftsfĂĽhrer Klaus Hochreiter im SN-Interview.
  • in Osttirol, beim Naturkosmetik-Hersteller BrĂĽder Unterweger. FĂĽr Michael Unterweger ist die 4-Tage-Woche bei vollem Lohn ein Weg, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Im Interview mit dem Standard schildert er, dass er kaum bĂĽrokratische HĂĽrden erlebt habe, sondern lediglich kleine Ă„nderungen in den Arbeitsverträgen notwendig waren.
  • in Schwanenstadt, wo der Ă–kostromerzeuger KWG ĂĽber 20 verschiedene Arbeitszeitmodelle anbietet – beim Pilotprojekt „4-Tage-Woche“ gibt es neben der Variante, die volle Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden auf vier Tage zu verteilen auch noch zwei weitere Modelle, bei denen die Mehrkosten geteilt werden: 50 % trägt der/die Mitarbeiter:in, 50 % die Firma. Wer die Arbeitszeit um fĂĽnf Stunden reduziert, bekommt 6,5 % weniger Gehalt. "In Bereichen, wo Präsenz und nicht nur Produktivität bedeutend ist, wird es nicht möglich sein", so GeschäftsfĂĽhrer Peter Zehetner gegenĂĽber dem Kurier.

Anwesenheitskonzepte, Zeitmanagement und Technik helfen

Für Unternehmen wird es vor allem darum gehen, Arbeitskräfte effizient einzusetzen. Neben gut durchdachten Anwesenheitskonzepten für die Belegschaft nutzen Betriebe auch Jobsharing, bei dem sich zwei oder mehr Arbeitnehmer:innen einen Arbeitsplatz aufteilen, Dienstplanung per App, über die alle Mitarbeiter:innen ihre Arbeitszeiten und -orte steuern können und neue Arbeitszeitkonten, bei denen Mitarbeiter:innen flexibler Stunden aufbauen oder reduzieren können.

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