Marlene Gattringer
Marlene Gattringer
 schrieb am 24. September 2020

In 3 Schritten Pendlereuro & Pendlerpauschale beantragen

Du benötigst circa 58 Sekunden und bereits im nächsten Monat hast du mehr Netto vom Brutto. Aber Vorsicht: Nur so viel Geld bekommst du am Ende wirklich ausbezahlt.

Wie beantrage ich Pendlerpauschale und Pendlereuro richtig? In unserem kostenlosen Leitfaden zeigen wir dir step-by-step wie´s funktioniert:

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Pendlerpauschale beantragen

Kurzfassung: Wie wird die Pendlerpauschale beantragt?

Die Beantragung von Pendlerpauschale und -euro geht einfach und schnell – vorausgesetzt man weiß wie! Mit diesen 3 Schritten kommst du ohne Umwege ans Ziel:

  1. Rufe den Pendlerrechner vom Finanzministerium auf: pendlerrechner.bmf.gv.at/pendlerrechner/
  2. Führe die gewünschten Basisdaten an: Wohnadresse, Arbeitsort, Berechnungsdatum, Arbeitsbeginn und -ende, Anzahl der Fahrten, Zumutbarkeit von Öffis, Firmenwagen
  3. Nach der Berechnung: Klicke auf „Formular drucken“, ergänze Name plus Unterschrift und reiche das Dokument beim Arbeitgeber ein

Alternativ (falls der Pendlerrechner nicht funktioniert):

  1. Lade das Formular L33 vom Finanzministerium herunter
  2. Trage dort alle gewünschten Daten ein
  3. Drucke den fertigen Antrag aus und übergib ihn unterzeichnet (!) deinem Arbeitgeber

Die Pendlerpauschale wir dann Monat für Monat automatisch gutgeschrieben. Optional kannst du das Geld auch pauschal im Rahmen der Lohnsteuererklärung über FinanzOnline beantragen. Wie das genau funktioniert, erfährst du in unserem Leitfaden zu Pendlerpauschale & Pendlereuro beantragen.

Pendlereuro vs. Pendlerpauschale – worauf habe ich Anspruch?

Grundsätzlich steht jedem, der mindestens 20 km zwischen Wohn- und Arbeitsort pendelt, eine kleine Pendlerpauschale zu. Vorausgesetzt die Benützung des öffentlichen Verkehrs ist möglich und zumutbar. Unabhängig von Haupt- oder Nebenwohnsitz handelt es sich bei der Berechnung immer um die tatsächlich zurückgelegte (einfache) Fahrtstrecke.

Wie hoch ist die kleine Pendlerpauschale?

Distanzmonatlichjährlich
ab 20 km58 €696 €
von 40 km bis 60 km113 €1.356 €
ab 60 km168 €2.016 €

Im Gegensatz dazu erhält man die große Pendlerpauschale bereits ab einer Mindeststrecke von 2 km, sofern der Weg zur Arbeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überwiegend unzumutbar ist.

So hoch ist die große Pendlerpauschale

Distanzmonatlichjährlich
ab 2 km31 €372 €
von 20 km bis 40 km123 €1.476 €
von 40 km bis 60 km214 €2.568 €
ab 60 km306 €3.672 €

Bedenke: Auch ein Pendlereuro steht dir zu. Dieser wird einmal jährlich mit 1 € pro Kilometer für den Hin- und Retourweg berechnet. Anders als die Pendlerpauschale, die nur als Bemessungsgrundlage gilt, wird dir dieser Betrag direkt von der Lohnsteuer abgezogen. Bei einer Gesamtstrecke von 50 Kilometer macht das immerhin 100 € (pro Jahr) aus.

Wann entfällt mein Anspruch auf Pendlerpauschale?

Kein Pendlereuro, keine Pendlerpauschale - ein wahrer Schlag ins Gesicht. Du kommst in diese Situation, wenn du entweder ein Firmenauto nutzt, ein Jobticket für die gesamte (!) Strecke zwischen Wohn- und Arbeitsort besitzt oder deine zurückgelegte Fahrtstrecke für einen Zuschuss einfach zu kurz ist.

Du bist teilzeitbeschäftigt bzw. nur geringfügig angestellt? Sogar dann hast du Anspruch auf die Pendlerpauschale. In diesem Fall ist es davon abhängig, wie oft du den Weg zwischen Wohn- und Arbeitsort in einem Monat zurücklegst:

  1. Volle Pendlerpauschale: an mindestens 11 von 20 Tagen
  2. 2/3 der Pendlerpauschale: zwischen 8 und 10 Tagen / Monat
  3. 1/3 der Pendlerpauschale: an mindestens 4 Tagen / Monat
Pendlerpauschale beantragen
Die Beantragung ist kinderleicht, doch die Berechnung nicht!

1 Missverständnis und 2.388 € weniger

Erwartung und Realität liegen beim Thema Pendlerpauschale oft sehr weit auseinander.
Hier ein Beispiel.

Pendlerin Jana erzählt: „Wahnsinn! Bei meinem Job beträgt die Pendlerpauschale 306 € pro Monat und der Pendlereuro beträgt 30 € pro Monat. Somit kann ich mein Zugticket um 149 € kaufen und trotzdem viel Geld sparen.“

Leider hat diese Geschichte einen gewaltigen Haken.

Denn das böse Erwachen lauert bei der Steuererklärung. Jana erwartet, dass sie 336 € pro Monat bekommt, aber tatsächlich werden es nur 137 € sein. Wenn sie ihre Pendlerpauschale erst im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung beantragt, bekommt sie jährlich 2.388 € weniger als ursprünglich erwartet.

Wie kommt es zu einer über 100%igen Abweichung?

137 € statt 336 € klingt viel, aber eigentlich hat Jana Glück. Sie verdient 3.000 € brutto im Monat. Jemand, der beispielsweise nur 1.600 € brutto verdient, bekommt 62 € statt 336 € monatlich ausbezahlt. Aber warum?

Dafür gibt es 2 Gründe:

  1. Pendlerpauschale und Pendlereuro vermindern nur die Lohnsteuer:
    Falls du aufgrund eines geringeren Einkommens ohnehin keine Lohnsteuer zahlst, kann sie nicht durch die Pendlerpauschale und den Pendlereuro vermindert werden.
  2. Höhe der Pendlerpauschale ≠ Auszahlungsbetrag:
    Während der Pendlereuro direkt von der Lohnsteuer abgezogen wird, verwendet man die Pendlerpauschale nur, um die Lohnsteuerbemessungsgrundlage zu reduzieren. Das heißt, wenn du 40 % Lohnsteuer zahlst, bekommst du ca. 40 % (grober Richtwert) der ausgerechneten Pendlerpauschale ausbezahlt.

Netto oder Brutto: Wie hoch ist mein Gehalt mit Pendlerpauschale?

Viel zu viele Faktoren fließen in die Ermittlung der Pendlerzuschüsse. Diese 2 Online-Rechner helfen dir, um dein Nettogehalt inklusive Pendlerpauschale automatisch zu berechnen. Los geht’s:

Schritt 1: Gib alle nötigen Basisdaten in den Pendlerrechner des Finanzministeriums ein. Die Ergebnisseite zeigt dir, wie groß die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist und somit auch auf welche Pendlerpauschale – groß oder klein – du Anspruch hast. Der Punkt „Öffentliche Verbindung gerundet“ ist entscheidend.

Schritt 2: Nutze den Brutto-Netto-Rechner, um dein tatsächliches Nettogehalt mit Berücksichtigung der Pendlerpauschale zu ermitteln. Trage unter dem Punkt „Zusatzangaben“ Pendlerpauschale und die zuvor berechnete Distanz ein. Wichtig: Für die Berechnung ist es notwendig, das korrekte Ergebnis vom Rechner des Finanzministeriums zu benutzen. Nur diese Entfernung ist „offiziell“ und kann deutlich von der tatsächlich gefahrenen Entfernung abweichen.

Verringert sich die Pendlerpauschale während der Kurzarbeit? Nein. Laut Pressemeldung von April 2020 bleibt die Pendlerpauschale im gleichen Umfang bestehen. Auch wenn die Strecke zur Arbeit aufgrund von Home-Office oder Dienstverhinderung weniger oft zurückgelegt wurde, erhältst du denselben Betrag wie bisher.

Pendlerpauschale beantragen

Wie wird Pendlerpauschale & Pendlereuro ausbezahlt?

Das entscheidest du selbst. Entweder lässt du deine Pendlerzuschüsse monatlich über deinen Arbeitgeber oder aber jährlich im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung ausbezahlen. Sofern du nicht ständig Job oder Wohnort wechselst, bietet sich die einmalige Beantragung über deinen Arbeitgeber an.

Im Eifer des Gefechts hast du vergessen, deine Pendlerpauschale zu beantragen? Du hast Glück. Im Lohnsteuerausgleich kannst du sie innerhalb von 5 Jahren rückwirkend berücksichtigen.

Falschangaben führen zur Strafe.

Ganz egal ob unwissend oder aus voller Absicht: Falschangaben bei Pendlerzuschüssen zum eigenen Vorteil enden meist fatal. Das Urteil lautet: Steuerhinterziehung.

Folglich musst du bei der Angabe einer zu hohen Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort mit einer Nachzahlung plus Geldstrafe rechnen.

Pendlerpauschale zu niedrig? Diese 4 Auswege gibt’s:

Sollte die Enttäuschung nach deiner Berechnung groß sein, kannst du das Ergebnis leider nicht beeinflussen. Vier alternative Möglichkeiten hast du dennoch.

  1. Nutze öffentliche Verkehrsmittel
    Wenn Bahn, Bim und Bus schnell genug sind, bist du fast immer günstiger damit unterwegs. Mit Jahresnetzkarten, zum Beispiel von den ÖBB oder den Wiener Linien, können Vielfahrer auch in ihrer Freizeit Geld sparen.
  2. Arbeite im Home-Office
    In einigen Unternehmen ist Telearbeit keine Seltenheit mehr. Sprich mit deinem Arbeitgeber und erkläre ihm die Situation. Allein mit 2-3 Tagen pro Woche im Home-Office sparst du dir neben Fahrtkosten auch wertvolle Zeit.
  3. Erkundige dich nach einem Fahrtkostenzuschuss
    Dieser Bonus ist ein freiwilliges Entgegenkommen deines Arbeitgebers. Ein Fahrtkostenzuschuss wird individuell – meist bereits im Vorstellungsgespräch – vereinbart und ist unabhängig von Kilometergeld und Pendlerzuschüssen zu sehen.
  4. Wechsle Job oder Wohnort
    Wenn dir das Pendeln schlussendlich zu viel wird, gibt’s nur mehr 2 Auswege: Umziehen oder Arbeitsplatz wechseln. Falls du dich für zweiteres entscheidest, klick dich gerne durch unsere aktuellen Jobangebote. Vielleicht ist genau das Richtige für dich dabei.

Du hast eine Sonderfrage zu Pendlerpauschale & Pendlereuro? Nutze den Bürgerservice des Finanzministeriums unter +43 50 233 765 von Montag bis Freitag zwischen 08.00 und 17.00 Uhr. Weitere Infos findest du auf der Website vom Bundesministerium für Finanzen.

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