Eva Helfrich
Eva Helfrich
 schrieb am 5. September 2022

Gehaltserhöhung: So verhandelst du erfolgreich

Du bist der Meinung, dass du eine Gehaltserhöhung verdient hast? Dann ist es an der Zeit, aktiv zu werden und gute Argumente zu sammeln. Ab wann kannst du mehr Gehalt erwarten? Wann ist der ideale Zeitpunkt, um danach zu fragen und wieviel mehr ist realistisch? Gehaltsexpertin Martina Ernst hat uns die besten Tipps verraten. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du somit entspannt in die Verhandlung gehen.

„Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn“, soll der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki gesagt haben. Es sorgt einfach für ein gutes Gefühl, wenn man sich den Lebensstandard, den man anstrebt, leisten kann.

Wann steht mir eine Gehaltserhöhung zu?

Du kannst nach einer "Gehaltsanpassung" (klingt doch gleich besser, oder?) fragen, wenn du mehr als deine normale Arbeit geleistet hast und die Extrameile für das Unternehmen gegangen bist. Wenn du neue Projekte übernommen hast, sich dein Tätigkeitsbereich verändert hat oder du grundsätzlich mehr Verantwortung trägst als zu Beginn, ist das eine günstige Gelegenheit, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Du kannst dich dabei am Marktwert der Position, die du bekleidest, orientieren. Vergleiche Gehälter, melde dich bei uns oder schau auf kununu (auch ähnliche Profile in vergleichbaren Branchen in deiner Region). Auf der Jobbörse „Jobted“ findest du auch einen Überblick über die Durchschnittsgehälter in Österreich 2022. Wenn der Marktwert sich höher entwickelt als das eigene Gehalt, ist das ein guter Zeitpunkt, um mit deiner Führungskraft zu sprechen. Denn ein neu eingestellter Kollege bzw. eine Kollegin würde ebenfalls auf diesem Niveau gezahlt bekommen. Beispielsweise wurden Jobs im Bereich Marketing, PR, Werbung oder Personalwesen 2021 stärker nachgefragt als alle anderen. Trotzdem unterschätzen immer noch viele Menschen aus diesen Berufsgruppen ihren Marktwert.

Überleg dir vor dem Gespräch ein genaues Wunschgehalt (gib eine ungerade Zahl an. Das signalisiert, dass du dich mit der Materie bis ins Detail auseinandergesetzt hast), auf das du hin-verhandelst und ein Minimalziel, mit dem du leben könntest. Wenn du dich deiner Schmerzgrenze näherst, verhandle über Alternativen: eine Jahreskarte für die Öffis, mehr Urlaubstage, eine Workation, Weiterbildungen, ein Fitnessstudio-Abo...

Wenn man Mehrwert leistet, ist man auch mehr wert.

Martina Ernst, Gehaltsexpertin

Wie frage ich nach einer Gehaltserhöhung?

Wie spreche ich das Thema bei meinem Chef, meiner Chefin am besten an? Eine ideale Gelegenheit ist das jährliche Mitarbeitergespräch. Sollte das noch zu weit weg sein, mach dir mit deinem Vorgesetzen einen ca. einstündigen Termin für das Gehaltsgespräch und deine berufliche Entwicklung im Unternehmen aus, um dein Anliegen in Ruhe gut vorbereitet und unter vier Augen zu besprechen. Der perfekte Zeitpunkt ist vor der nächsten Gehaltsanpassungsrunde und fällt idealerweise mit Leistungen zusammen, die den Mehrwert, den du für dein Unternehmen bietest, abbilden.

Übrigens: Aus unserer Erfahrung ist eine Gehaltserhöhung je nach Position und Branche in einem Abstand von 12 bis 24 Monaten angemessen.

Tipps für die Gehaltsverhandlung

Martina Ernst war Personalchefin der Erste Bank, bevor sie ihr Gehaltsberatungsunternehmen Salary Negotiations gegründet und Gehaltssysteme entwickelt sowie für Mitarbeiter:innen Gehalt verhandelt hat. Dabei stellte sie immer wieder fest, „wie schwer sich die meisten tun, für ihren Wert einzustehen“.

Wichtig ist Martina Ernst zufolge, fünf wesentliche Fragen beantworten zu können, bevor man in eine Gehaltsverhandlung geht:

  1. Was ist mein derzeitiges Brutto-Jahresgehalt und wo liegt dieser Wert im Vergleich zum Marktwert der ausgeübten Funktion?
  2. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Welchen Mehrwert über meinen normalen Job hinaus habe ich für das Unternehmen geliefert oder werde ich künftig liefern?
  3. Wann ist im Unternehmen der richtige Zeitpunkt? Gibt es spezielle Terminrunden für Gehaltsanpassungen/Entwicklungsgespräche?
  4. Wer ist meine richtige Ansprechpartnerin, die direkte Vorgesetzte alleine oder eventuell zusammen mit ihrer Chefin bzw. mit HR?
  5. Wie ist mein Verhandlungsstil? Schließlich ist die Arbeitgeberin nicht meine Gegnerin – wir wollen beide motiviert weiter zum Unternehmenserfolg/purpose beitragen. Also ein klares Win-Win.
Martina ernst 1024x1024

Gehaltsexpertin: Stimme & Körpersprache erhöhen Chance auf positiven Ausgang

Muss man als Mitarbeiter:in die Extrameile gegangen sein, oder verdient man auch eine Gehaltserhöhung, wenn man seine Arbeit „nur“ richtig gut macht?
Martina Ernst: In der Regel bekommt man eine normale Gehaltsanpassung ohnehin über Kollektivvertrags-Erhöhungen, auch wenn man nur seinen normalen Job macht.

Wieviel mehr Gehalt ist realistisch?
Bei Beförderungen in einen Job mit mehr Verantwortung durchaus 15-20 %, ansonsten eher 5-10 %. Aber das hängt von der derzeitigen Lage im Gehaltsband ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.

Welche No-Gos gibt es?
Ein Gespräch zwischen Tür und Angel sowie Drohungen.

Kann ich mit selbstbewusster Haltung und fester Stimme „ausgleichen“, dass mir aus Nervosität Argumente entfallen sind oder ich einfach nicht meinen rhetorisch stärksten Tag habe?
Ich würde eher sagen, ohne Mehrwert oder höheren Marktwert als derzeit ist die Gesprächsgrundlage dünn. Aber sobald einer dieser beiden Gründe vorliegt, helfen Stimme und Körpersprache bei der Herstellung eines guten Gesprächsklimas und ein positiver Ausgang wird viel wahrscheinlicher.

Zahlen, Argumente und eine Portion Mut: Vorbereitung auf das Gespräch

Jetzt geht's ans Eingemachte. Überleg dir, welche Projekte und Aufgaben in den letzten Monaten besonders gut gelaufen sind. Ein paar Fragen, die dir bei der Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch helfen können:

  • Bist du im letzten Jahr die Extrameile für das Unternehmen gegangen? Wenn ja, bei welchen Aufgaben/Projekten? Überlege dir einige konkrete Beispiele.
  • Wo hast du dieses Jahr gute Arbeit geleistet? Vielleicht gibt es Referenzen von Kund:innen oder Kolleg:innen, auf die du verweisen kannst.
  • Bist du proaktiv und engagierst dich über deine normale Arbeit hinaus?
  • Hast du deine vorgegebenen Ziele erreicht oder sogar übererfüllt? Hier zählen Zahlen & Fakten. Also bereite dich gut vor und nimm eine Liste mit deinen erreichten Zielen und Kennzahlen mit.
  • Trägst du zu einem guten Zusammenhalt im Team bei?
  • Kann man sich auf dich immer verlassen und erledigst du deine Aufgaben zeitgerecht?
  • Sprechen Kundinnen, Kunden oder Kolleg:innen aus anderen Abteilungen von deiner guten Arbeit?
Bewerbungsgespraech
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Körpersprache im Gehaltsgespräch

Wenn es um die Verhandlung des Gehalts geht, ist eine symmetrische, aufrechte, offene und zugewandte Haltung auf Augenhöhe (mit Augenkontakt) ganz wichtig. Das zeigt Entschlossenheit. Ganz wichtig: nicht die Hände in den Schoß legen! Im motorischen Kortex im Großhirn ist angelegt, dass die Hände des Gegenübers sichtbar sein sollen. Steckt man sie in die Hosentasche oder versteckt sie im Schoß, wirkt das irritierend auf den Gesprächspartner.

Auch Kleinvieh macht Cash: Kleine Gehaltssprünge nicht unterschätzen

Stell dir vor, du verdienst aktuell 37.000 Euro brutto pro Jahr. Das sind circa 1.868 Euro pro Monat netto. Wenn du jetzt durch eine gute Gehaltsverhandlung 10 % brutto mehr verdienst, hast du 40.700 Euro pro Jahr, also 2.014 Euro netto pro Monat. Du hast also jeden Monat 146 Euro mehr auf dem Konto. Wenn du davon die Hälfte für schöne Urlaube beiseitelegst und die andere Hälfte investierst: 70 Euro pro Monat, 25 Jahre lang, 6 % Gewinn pro Jahr (an der Börse) – dann hast du am Ende 52.500 Euro.

Überleg mal, was du mit diesen > 50.000 Euro machen könntest. Einen Campingbus kaufen? Von den Zinsen eine Weltreise machen? Das Geld für’s Studium deiner (späteren) Kinder beiseitelegen? Du siehst, es lohnt sich, für deine Gehaltserhöhung zu kämpfen.

Mit unserem Brutto-Netto-Rechner kannst du dir ausrechnen, wieviel von der Brutto-Gehaltserhöhung netto übrig bleiben würde.

Fair Play, Equal Pay? Frauen verdienen ein Fünftel weniger

Wie Daten der Statistik Austria zeigen, verdienten Frauen im Jahr 2020 in der Privatwirtschaft um rund ein Fünftel (18,9 Prozent) brutto pro Stunde weniger als Männer. EU-weit war der Gender Pay Gap nur in Lettland und Estland noch größer, der EU-Durchschnitt lag bei 13 Prozent.

Checkliste: Gehaltserhöhung verhandeln

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