Andy Andrews
Andy Andrews
 schrieb am 21. Februar 2018

Arbeiten im Zug: Bahnsteig 1 - Büro fährt ein!

So wird Zugzeit zur Arbeitszeit: Tipps von einer Geschäftsführerin, einem Controller, einem SAP Berater sowie einem Rechtsanwalt.

Arbeiten im Zug - Andy

Meinungen gehen auseinander

Mittwoch, 6:32, Bahnhof Rosenau. Der ÖBB Cityjet fährt ein. Rudolf und Andreas sitzen schon drinnen, Patrick und Andy stoßen dazu. Was hält die Runde vom Arbeiten im Zug? Unterschiedliche Ansichten treffen aufeinander:

Mit einem lapidaren „Das zahlt mir keiner“ ist das Thema für Patrick erledigt. Andreas kann auch nichts mit dem Thema anfangen. „Ich brauche meinen Computer, mein Telefon und meine Privatsphäre für diskrete Gespräche“.

Rudolf Huber, Controller, meint hingegen, „Wenn wirklich viel los ist, gewinne ich auf meinen Fahrten zwischen Waidhofen an der Ybbs und Linz knapp zwei Stunden Arbeitszeit am Tag hinzu. Darauf möchte ich nicht verzichten. Mir bleibt so auch mehr Zeit für meine Frau und meinen Sohn über.“

Zur frühen Stunde sind die Pendlerkollegen noch kamerascheu. Andy erbarmt sich und so entstehen auch Fotobeweise.

Willkommen im (Rail-) Jet-Set: 3 Tipps von unseren Vielfahrern

  1. Tipp für Kurzstrecken-Pendler: „Während einer kurzen Zugfahrt, womöglich ohne WLAN, kann man hervorragend den Tag planen und To-Do-Listen erstellen. Mein Favorit sind die Google Notizen, die über eine Cloud auf all meinen Geräten verfügbar sind. So sind auch kurze Strecken hervorragend ausgenützt.“
  2. Tipp für Langstrecken-Pendler: „Obwohl es in den meisten Zügen bereits Ruheabteile gibt, ist es meistens doch ein wenig laut und unruhig. Für mich gilt bei jeder Fahrt: Ohrstöpsel rein, denn bei der Lieblingsmusik erledigen sich kreative Arbeiten quasi von selbst. Aber auch bei Tätigkeiten, die mehr Konzentration erfordern, ist das Musikhören hervorragend geeignet. Denn man ist bei Musik viel weniger dazu verleitet, bei einer fremden Diskussion mitzuhören oder durch Lautsprecherdurchsagen abgelenkt zu sein.
  3. Tipp für Zug-Pendler, die vertrauliche Arbeiten durchführen: „Eine Blickschutzfolie für den Laptop schützt vertrauliche E-Mails und Kundendaten vor spähenden Sitznachbarn. Sofern der Laptop oder sonstige Utensilien der Mitfahrenden nicht offiziell und gut sichtbar gebrandet sind, kann man durchaus auch einmal unwissentlich eine Fahrt neben seinem Mitbewerber verbringen.“
Arbeiten im Zug

Zugfahren ist Chefsache

Donnerstag, 9:13 Uhr, kurz nach Amstetten. Geschäftsleiterin Andrea Bertl düst durch die Landschaft mit 200 km/h. Natürlich nicht auf der Autobahn, sondern im Zug. Was hält sie von der Fahrt?

„Zugzeit ist – manches Mal auch ungewollte - Erlebniszeit! Ein laut schnarchender Mitreisender. Ein Ehestreit übers Handy, den man nur sehr einseitig erlebt. Geschäftsgeheimnisse von nebenan, die man am liebsten gleich ganz schnell wieder vergessen würde. Um nur einige Beispiele zu nennen …“ so Andrea.

Matthew Stevens, SAP Berater, schließt sich dieser Meinung an.

„Man erlebt oft die skurrilsten Sachen im Zug. Einmal habe ich gesehen, wie zwei Typen für ihre Prüfung als Sommelier geübt haben. Sie haben ein Achterl nach dem anderen getrunken und sich gegenseitig ausgefragt. Stockbesoffen. Meistens eignet sich die Zeit jedoch gut für konzentriertes Arbeiten."

Arbeiten im Zug - Astrid

Coffee-to-Go und dann im Flow

Donnerstag, 16:19 Uhr. Astrid Fladenhofer, Talent Acquisition Manager, sitzt im „Plus“ Abteil der WESTbahn, als sie in Wien Meidling losfährt. Auszeit genießen? Ganz im Gegenteil! Nach einem Tag voller Termine heißt es, noch einmal durchstarten:

„Mobiltelefon auf lautlos, Kopfhörer mit lateinamerikanischer Musik rein, dazu ein „Coffee-to-go“ und schon bin ich im Flow. Im Zug bin ich meistens überdurchschnittlich produktiv," meint Astrid.

Ihre Kollegin, Senior Consultant Maria Hochsteiner-Rohde, fügt hinzu. „Ich nehme immer einen warmen Pulli mit. Schlecht geheizte Züge oder zu hoch aufgedrehte Klimaanlagen sind keine Seltenheit. Ich arbeite gerne mit dem Laptop. Die langsame Internetverbindung entschleunigt jedoch."

Maria hat noch einen Hinweis. „Auch ganz wichtig: Manchmal aus dem Fenster schauen und die Aussicht genießen, die Abwechslung hat man im Büro nicht. Dann kommt man voller Elan ins Büro und kann richtig Gas geben.“

La dolce vita: Produktivität im Zug mit zwei weiteren Tipps

Freitag, 10:27 Uhr, auf der Fahrt von Parma nach Bologna mit dem Frecciarossa. Berliner Rechtsanwalt Peter Kortas hat zwei weitere Anregungen für optimale Produktivität auf der Fahrt:

  1. Tipp: „Sitze nicht auf der Sonnenseite! Klingt blöd, aber die Verspiegelung im Bildschirm kann sehr anstrengend sein.“
  2. Tipp: „Setze einen Kopfhörer mit Lärmreduktion auf. So kriegt man nichts mehr von der Außenwelt mit! Persönlich habe ich den Bose QuietComfort. Nur sollte man darauf sehr gut aufpassen. Leider sind solche Kopfhörer ein sehr begehrtes Diebesgut.“

Egal wo die Reise hingeht, wünscht epunkt eine gute Fahrt!

Arbeiten im Zug - Peter
Peter weiß es: Auch international bleibt Produktivität nicht auf der Strecke

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