Marlene Gattringer
Marlene Gattringer
 schrieb am 2. Juni 2020

Lücke im Lebenslauf, und jetzt?

Plötzlich trifft dich die Kündigung, ein krankheitsbedingter Ausfall oder die Reiselust nach dem Studien-/Schulabschluss. Ganz egal ob eigen- oder fremdverschuldet, im Lebenslauf fällt sie sofort auf: diese eine Lücke in deiner Laufbahn, die sich ähnlich wie eine Zahnlücke festsetzt. Doch wie geht man am besten damit um? An dieser Stelle ist „correct wording“ gefragt. Denn mit der richtigen Formulierung machst du deine Lücke im Lebenslauf zur Nebensache. Noch besser: Du nutzt sie als Gesprächsaufhänger.

Unter einer Lücke im Lebenslauf versteht man einen Zeitabschnitt innerhalb der beruflichen Laufbahn, in der man keiner Tätigkeit (Job, Praktika, Studium, Aus- oder Weiterbildung) nachkommt.

Ab wann wird die Lücke zum Problem? Und wie füllt man sie bestmöglich im Lebenslauf? Die häufigsten Fragen dazu haben wir hier für dich beantwortet.

Lücken im Lebenslauf

Wann die kurze Auszeit zur Lücke wird

Je nachdem wie viel Zeit bis zur nächsten Festanstellung vergeht, kann aus der unbedenklichen Auszeit eine massive Lücke im Lebenslauf werden. Eine klare Definition der beiden Begriffe gibt es nicht, grundsätzlich kannst du dich aber daran orientieren:

  • Bis zu 4 Wochen = Auszeit, Pause
  • Länger als 2-3 Monate = Lücke

Bestimmt warst du während deiner Auszeit, Pause oder Lücke nicht mit wochenlangem „Nichtstun“ beschäftigt. Hast du ein neues Hobby für dich entdeckt? Konntest du dich mit Online-Kursen weiterbilden oder verlief die Jobsuche schwieriger als gedacht? Dann nimm diese Details in deinen Lebenslauf mit auf. Rechtfertigungsversuche oder Schuldzuweisungen sind sowohl in deinen Unterlagen als auch im Vorstellungsgespräch unangebracht. Konzentriere dich lieber auf deine Stärken und gehe nur näher auf deine Lebenslauf-Lücke ein, wenn danach gefragt wird.

Zusammengefasst: Erkläre sachlich deine Situation und mache aus der Lücke keinen (Baby-) Elefanten. 😉

6 Gründe für Lücken im Lebenslauf

Neben typischen Leerlaufphasen nach einer Kündigung, dem Hochschulabschluss oder der Elternzeit gibt es genauso unerwartete Ereignisse für Lücken im Lebenslauf. Aktuell spielt hier auch die Corona-Krise eine große Rolle. Das sind die häufigsten Gründe für schwarze Löcher im Lebenslauf:

  1. Kündigung
  2. Studien- / Schulabschluss
  3. Bundesheer / Zivildienst
  4. Reisen
  5. Krankheit & Schicksalsschläge
  6. Karenz / Elternzeit

Umso länger die letzte berufliche Tätigkeit entfernt ist, desto hellhöriger wird der Recruiter oder Personalchef. Dabei ist wesentlich, ob deine Lücke (gut) begründet oder unbegründet im Lebenslauf auftaucht und welche Absicht dahintersteckt.

Lügen Lücken im Lebenslauf

Lügen im Lebenslauf: Is it worth it?

Monate „unbeabsichtigt“ austauschen, nie-stattgefundene Weiterbildungen anführen oder selbst eine Geschichte erfinden: Lügen sind zweifellos ein No-Go im Lebenslauf und bringen dich mit großer Wahrscheinlichkeit in Verlegenheit.

Stellt sich erst später heraus, dass du im Vorstellungsgespräch nicht ganz bei der Wahrheit geblieben bist, ist eine Kündigung seitens deines Arbeitgebers gerechtfertigt. Die bessere Variante: Stehe zu deiner Lücke und geh mit Mut an die Sache heran. Wer weiß, vielleicht war dein zukünftiger Arbeitgeber bereits selbst in einer ähnlichen Situation und hat Verständnis.

Lückenfüller gesucht? 6 Tipps + 3 Empfehlungen für Xing und LinkedIn

Vertuschen, ignorieren oder einfach weglassen. Spätestens mit deiner Bewerbung fliegen diese peinlichen Täuschungsversuche auf und senken die Chancen auf den Job. Hier haben wir für dich die wichtigsten Tipps zusammengefasst und verraten, wie du auch auf Social Media vorbildlich mit Lücken umgehst:

  1. Mache deine Lücke(n) zur Nebensache: Fokussiere dich im Lebenslauf auf deine beruflichen Erfolge und führe die Lücke ohne lange Erklärungsversuche an.
  2. Finde die richtigen Worte: Arbeitssuchend macht sich im Lebenslauf besser als arbeitslos. Weiterbildung oder Neuorientierung sind Begriffe, die du gerne als Lückenfüller verwenden kannst. Natürlich nur dann, wenn sie auch der Wahrheit entsprechen.
  3. Die Reihenfolge machts: Wähle eine vorteilhafte Reihung deines Werdegangs. Je nachdem wie aktuell deine Lücke im Lebenslauf ist, beginne mit der ersten oder letzten Tätigkeit. So erscheint deine Auszeit möglichst zum Schluss und erweckt weniger Aufsehen.
  4. Sei ehrlich & offen im Vorstellungsgespräch: Erkläre in Kurzform den wahren Grund für deine Auszeit und verzichte auf Lügen oder Rechtfertigungsversuche.
  5. Keine falsche Erwartungshaltung, keine Vortäuschungen: Statt Monate nur die Jahreszahlen deiner Anstellung anzugeben, ist zwar klug, springt aber jedem Personalchef sofort ins Auge.
  6. Stehe zur Lücke, wenn sie über 2 Monate hinausgeht: Eine einmonatige Pause zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen lässt kaum eine sichtbare Lücke entstehen. Dies gilt als akzeptable Auszeit, die sich im Gespräch mit Jobsuche begründen lässt


Darauf solltest du bei deinem Xing- und LinkedIn-Profil unbedingt achten:

  • Führe deine vollständige Berufslaufbahn an: Lasse keine Anstellungen oder Praktika weg, die auf eine zusätzliche Lebenslauf-Lücke schließen lassen könnten.
  • Mache überall dieselben, richtigen Angaben: Überprüfe und vergleiche deine Angaben im Lebenslauf mit deinen Profilen auf Social Media und passe sie ggf. an.
  • Optimiere deinen Profil-Slogan: Stelle bereits im Profilbereich auf Xing & LinkedIn besondere Fähigkeiten in den Vordergrund und erwähne deine aktuelle Jobsituation, z.B.: *Digital Marketing *Photography *Grafik Design *SEO & SEA *looking for a new Challenge.

Jobchancen mit vs. ohne Lücke

Zugegeben, eine lückenlose Laufbahn sorgt für einen guten ersten Eindruck. Immer öfter bieten aber auch Ecken und Kanten einen Mehrwert im Jobinterview, denn ein Muster-Lebenslauf existiert in den wenigsten Fällen. Sobald die Lücke im Lebenslauf entdeckt wird, stellt sich schnell die Frage: „Wie hast du die herausfordernde Situation gemeistert?“ Nutze die Gelegenheit und beweise im persönlichen Gespräch Ehrlichkeit, Kreativität und Hartnäckigkeit, anstatt diese Begriffe als Standardfloskel im Lebenslauf einzubauen. Allein der Mut, deine Lücke im Lebenslauf zu akzeptieren und dich dieser zu stellen, zeugt von Charakter.

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