B2 C Astronaut Autor
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epunkt Astronaut schrieb am 14. April 2016

Väterkarenz: Männer brauchen Vorbilder

Sich um Familie und Karriere kümmern? Als Mann? Das geht. Bojan Bozic, ehemals Head of Consulting für eRecruiter bei epunkt, berichtet, wie er die Zeit mit seiner Tochter erlebt hat und wie sein Chef damals auf seinen Wunsch, in Väterkarenz zu gehen, reagiert hat.

epunkt: Bojan, wie war dein erster Tag in Väterkarenz?

Bojan Bozic: Aus meiner Perspektive: chaotisch. Wie der erste Tag im neuen Job, nur dass man kaum vorbereitet ist, und niemand einen erst mal gemütlich durchs Büro und auf einen Kaffee führt. Zusätzlich fordert die neue Chefin (zu diesem Zeitpunkt genau 1 Jahr alt) sofortige Ergebnisse, keine Windel ist schnell genug gewechselt, kein Essen schnell genug serviert – dass da nicht die routinierte Mama, sondern ein überforderter Papa steht, ändert ja nichts an den Bedürfnissen der kleinen Dame. Nachdem ich sie dann am Nachmittag aus der Kinderkrippe abgeholt hatte, war die größte Herausforderung jede Minute ein anderes Spiel zu spielen – da wird einem dann schnell bewusst, dass Kinder einen unglaublichen Energievorteil haben. Als sie dann am Abend eingeschlafen ist, habe ich erstmal ordentlich durchgeatmet und mich auf den Hirn-Leerlauf eines Fernsehabends gefreut. Aus Majas Perspektive glaube ich, dass sie es sehr genossen hat, auch einmal mehr Zeit mit mir zu verbringen. Sie war daher vermutlich auch gleich aufgeregt und wollte mir alles zeigen, was sie den ganzen Tag so macht. Schon kurz nach dem ersten Tag hatten wir beide aber schon unsere eigenen Routinen und statt Chaos gab es viel Spaß und Freude an der gemeinsam verbrachten Zeit.

epunkt: Wie lange warst du insgesamt bei deiner Tochter zu Hause? Und was hast du in dieser Zeit gelernt?

Väterkarenz
Bojan Bozic war zwei Monate bei seiner Tochter Maja zu Hause.

Bajan Bozic: 2 Monate, im Dezember und Jänner. Zu lernen gab es viel: Da wäre zum einen die Tatsache, dass Kinderbetreuung ein echt harter Job ist, der einem physisch und psychisch einiges abverlangt. Zudem ist mir klar geworden, wie unterschiedlich Kinderbetreuung und Berufsleben sind – es ist einfach eine ganz andere Art von Beanspruchung, Stress, Belastung, aber auch eine ganz andere Form der „Belohnung“ durch ein einfaches Kinderlächeln statt z.B. einer Prämie. Was mir am meisten hängen geblieben ist, ist die Verantwortung, die man für ein Kind übernimmt. Es reicht nicht, ihr zu essen zu geben und mit ihr zu spielen, man trägt ständig zur Weiterentwicklung eines kleinen Menschen - zu einer großen Persönlichkeit - bei.

epunkt: Welche Gründe sprechen dafür, in Väterkarenz zu gehen?

Bojan Bozic: Als Elternteil erfährt man hautnah, wie rasant die eigenen Kinder sich entwickeln und groß werden. Für mich wird meine Tochter sicher immer mein „Baby“ bleiben, aber objektiv betrachtet ist sie schon längst ein Kleinkind. Wenn ich noch dazu im Freundeskreis Säuglinge sehe, dann wird der Unterschied richtig deutlich. Diese Eindrücke lassen mich dann schon immer wieder darüber nachdenken, wie schnell ein Leben vorüberzieht und ich frage mich dann, ob ich auch genug Zeit mit den Menschen verbringe, die mir wichtig sind. Die Karenz wird mir so gesehen auch immer als eine Zeit in Erinnerung bleiben, in der ich meine Aufmerksamkeit ganz meiner Tochter widmen konnte – und das fühlt sich absolut richtig an.

epunkt: Wie hat dein Chef damals auf den Wunsch in Karenz zu gehen reagiert? Welche Reaktionen gab es von Arbeitskollegen, Freunden, Familie?

Bojan Bozic: epunkt ist in diesem Zusammenhang ein sehr unterstützendes und progressives Unternehmen. Meine Ankündigung, in Karenz gehen zu wollen, hat mein Chef absolut unterstützt – er hat sogar in Erinnerung an die eigene Väterkarenz geschwelgt und mir davon erzählt. Auch die Kollegen waren alle sehr unterstützend, wobei einige gar nicht geglaubt hätten, dass ich das machen würde – ich denke, das zeigt, dass wir bei unserer Vielfalt an Persönlichkeiten bei epunkt trotzdem ein ähnliches Denken haben, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht. Ich war also weder der erste noch werde ich der letzte epunkt-Mitarbeiter sein, der in Väterkarenz geht - das ist bei dieser Firmenkultur einfach normal. Im Vergleich dazu habe ich von Freunden vernommen, dass deren Arbeitgeber eher wenig Begeisterung gezeigt haben, Väter in Karenz gehen zu lassen. Ob das wirtschaftlich nachvollziehbare Gründe hatte oder nicht sei dahingestellt, aber es liefert schon ein wenig erfreuliches Bild vom Umgang einiger Unternehmen mit dem Thema Väterkarenz.

epunkt: Was müsste sich deiner Ansicht nach ändern, damit mehr Männer die Job-Pause nehmen?

Bojan Bozic: Das muss natürlich jeder Mann bzw. jedes Paar selbst entscheiden, eine Vorverurteilung, wenn jemand das für sich ausschließt, finde ich unangebracht. Ich selbst sehe das Thema nach wie vor hauptsächlich im gesellschaftlichen Rollenbild verankert und da brauchen Männer einfach noch mehr gute Vorbilder. Ich muss zugeben, dass es mir auch seltsam vorgekommen ist, das erste Mal mit dem Kinderwagen unterwegs zu sein oder noch extremer: mit einem Baby-Tragetuch! Aber das ist dann recht schnell in Normalität übergegangen, da ich mich bald einfach nur mehr gefragt habe: Was braucht meine Tochter von mir? Wie nimmt sie mich wahr? Die Frage, ob ich von anderen Männern negativ wahrgenommen werde, hat sich dann einfach gar nicht mehr gestellt. Ganz im Gegenteil, es war dann schon sehr reizvoll, vielleicht selbst eines dieser erwähnten „Vorbilder“ zu sein.

epunkt: Hast du darüber nachgedacht, ob deine Vaterkarenz einen „Karriereknick“ nach sich ziehen wird?

Bojan Bozic: Ganz kurz, weil man sich ja selbst meist für unersetzlich hält und dann doch in der Arbeit alles auch ohne mich ganz gut lief. Ich sehe das aber sehr positiv, weil es gerade den karrierebewussten, „unersetzlichen“ Männern wieder etwas mehr Demut beibringen kann. In der Praxis war bei mir von einem Karriereknick aber sicher nichts zu spüren.

epunkt: Welchen Tipp würdest du angehenden Papas in Väterkarenz mitgeben?

Bojan Bozic: Cool bleiben. Und spätestens kurz vor dem Start in die Karenz so viele Handgriffe wie möglich von der noch karenzierten Partnerin abschauen und Tipps einholen. Auch wenn ich es davor hundert Mal gesehen hatte, konnte ich ad hoc nicht einmal einen ordentlichen Milchbrei zubereiten. Daher so viel wie möglich vorher einüben, denn wie schon gesagt: Die neue Chefin duldet keine Verzögerungen!

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