Eva Helfrich
Eva Helfrich
 schrieb am 26. März 2021

Passive Jobsuche: 10 Tipps, wie du online gefunden wirst

Den Traumjob finden, ohne dafür auf die Suche gehen zu müssen? Das geht. Denn in gut aufgestellten HR-Teams gibt es neben Recruitern auch „Active Sourcer“. Sie sind die Detektive der HR-Welt und setzen ihre Fähigkeiten für das Gute ein: aktiv und latent suchende Kandidaten in CV-Datenbanken und auf Social Media anzusprechen. Ihr Ziel: in Karrieregesprächen herauszufinden, was die Leute motiviert und welche Aufgaben sie begeistern könnten.

2019 epunkt Stockfotos Linz 125

Wie kann man einen Active Sourcer auf sich aufmerksam machen?

Recruiter haben einen Wunschzettel mit Qualifikationen, die der perfekte Kandidat, die perfekte Kandidatin mitbringt. Active Sourcer spüren Personen auf, die diese Qualifikationen erfüllen. Dazu gehören die gesammelte Berufserfahrung, Technologien, die man beherrscht, Kund:innen, die man betreut hat, Marktkenntnisse, Führungserfahrung etc. 10 Tipps, wie du auf dem Radar eines Sourcers landest:

Pflege deine Profile

Immer wichtiger werden neben LinkedIn, Xing und karriere.at die Privataccounts auf Social Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter. Bei Softwareentwicklern auch stackoverflow und Github. Warum? Sourcer und Recruiter wollen 08/15-Massenmails vermeiden und machen sich gerne ein rundes Bild, bevor sie interessante Kandidat:innen ansprechen. Um sich finden zu lassen, sollte man seine Profile öffentlich zugänglich machen. Recruiter erkennen dadurch auf einen Blick die Stärken, Ausbildungen, Kenntnisse, Spezialisierungen, die Rollen und die aktuelle Branche.

Fakten, Fakten, Fakten & no Blabla

Je klarer die Stichworte, Jobtitel, Kenntnisse, Ausbildungen, bisherigen Arbeitgeber:innen und Tätigkeiten, desto leichter wird man gefunden. Je mehr Schlüsselbegriffe in deinem Profil auftauchen, desto weiter oben erscheinst du in den Suchergebnissen. Fasse die Tätigkeitsbereiche jedes Jobs in 2 bis 3 Sätzen zusammen.

Wieviel soll ich auf meinem Profil preisgeben?

Im Vorteil ist, wer neben dem gewünschten Arbeitsort und Starttermin auch Positionsbezeichnungen angibt, an denen er interessiert ist. Speziell, wenn man sich in eine andere Richtung weiterentwickeln möchte.

Logge dich einmal pro Woche ein

Jetzt wird‘s kurz technisch: Sourcer nutzen die Algorithmen der Plattformen und Suchmaschinen und grasen diese mit speziellen Suchmethoden („Boolean Strings“ und „X-Ray-Search“) systematisch auf relevante Skills ab. Sourcer sind nicht gleichzusetzen mit Headhuntern, sie werben Kandidat:innen nicht aktiv von Unternehmen ab, sondern fokussieren sich auf Personen, die in irgendeiner Art und Weise Anzeichen machen, wechselbereit zu sein. Ein Profilupdate ist so ein Anzeichen. Aber nicht nur das: Die Algorithmen der Jobplattformen berechnen aus rund 50 Variablen die Wechselbereitschaft der Mitglieder. Jede Veränderung des Profils wird gezählt. Dazu gehört, wie oft man sein Profil aufsucht, wie detailliert man es ausfüllt oder wie schnell man auf Nachrichten von Personalern reagiert.

Tipp für Xing: Karrierestatus auf „Aktiv auf Jobsuche“ oder „Nicht aktiv auf Jobsuche, aber offen für Jobangebote“ umstellen. Hintergrund: in der Suche gibt es die Möglichkeit, Kandidat:innen im Vorhinein auszuschließen, die angeben, dass sie nicht an Jobangeboten interessiert sind.

LinkedIn epunkt

Schlüsselbegriffe, die ein Profil zu einem vielversprechenden Profil machen

Wichtig ist, immer die aktuelle Jobbezeichnung zu nennen und Schlüsselbegriffe zu verwenden, die im Wunsch-Jobprofil typisch sind. Gefragte Skills wie Java Entwicklung, SAP, Cloud oder andere Technologien gehen immer gut. Wer nach einer Bilanzbuchhalter-Position in einem Konzern Ausschau hält, sollte IFRS oder US-GAAP angeben, wenn er damit Erfahrung hat.

Den Mutigen gehört die Welt: Befülle die Freitextfelder am Profil

Freitextfelder und Profil-Slogans machen Sinn, um ein Gefühl für die eigene Person zu vermitteln und detailliertere Infos bekanntzugeben. Hobbies, Interessen und Vereinsmitgliedschaften: yes, please! Sourcer und Recruiter sind auch nur Menschen und freuen sich, wenn sie etwas über die Person hinter dem Profil erfahren.

Profil-No-Gos und Fettnäpfchen

Neben Rechtschreibfehlern kann man sich auch ins Aus schießen, indem man wenig Infos zum Werdegang preisgibt, oder ungenaue Jobbezeichnungen anführt (z. B. nur „Mitarbeiter:innen“). Zu politische, kontroverse Themen eher vermeiden: Ich möchte im Umweltsektor tätig sein und folge gleichzeitig nur Erdöl-Unternehmen? Das passt nicht.

Soft Skills_Teamfähigkeit

„Ich bin teamfähig, kommunikativ & strukturiert“: Müssen Soft Skills ins Profil?

Diese werden inzwischen bei so gut wie jedem Jobinserat verlangt. Grundsätzlich suchen Sourcer aber nach Hard Facts, die Suchmöglichkeiten der Plattformen sind auf Technologien, Skills, Kenntnisse, Ausbildungen und Jobtitel ausgelegt. Im zweiten Schritt rücken die Soft Skills dann ins Rampenlicht – meist im telefonischen Karrieregespräch (das bei epunkt ca. 30 Minuten dauert). Also: abheben, wenn’s klingelt! 😉

Hashtags, Gruppen & Seiten, denen man folgt

Hashtags und Gruppen werden gerne fürs Sourcing genützt, um Kandidaten mit ähnlichen Skills oder Interessen zu identifizieren. Beispiele: alle Personen, die einer Hochschule folgen. Alle, die in der „Java Developer Wien“-Gruppe sind. Es beeindruckt, wenn man sich für facheinschlägige Gruppen, Hashtags und Seiten interessiert. Aber man darf auch genauso „Mensch sein“ und der Lieblingsband, Kochtipps oder Yogaseiten folgen.

Es klingelt? Da könnte dein Traumjob dran sein!

Investiere die 15 bis 30 Minuten in das Karrieregespräch mit dem Sourcer. Es könnte dir einen Karriereschritt ermöglichen, an den du zuvor nie gedacht hättest.

Worauf muss ich achten, damit mein Arbeitgeber, meine Arbeitgeberin von meiner Jobsuche nichts mitbekommt?

Sourcer und Recruiter halten zuerst Ausschau nach Kandidat:innen, von denen sie wissen, dass sie auf Jobsuche sind. Wie bei einem Flirt kann das Interesse an einem neuen Job sehr subtil und diskret – und vom aktuellen Arbeitgeber, von der aktuellen Arbeitgeberin kaum wahrnehmbar – signalisiert werden:

  1. Persönliche Daten und den Arbeitgeber, die Arbeitgeberin anonymisieren
  2. In den Jobeinstellungen hinterlegen, dass nur Recruiter sehen, dass man auf Jobsuche ist
  3. Falls der Arbeitgeber, die Arbeitgeberin eine LinkedIn Recruiter-Lizenz hat: keinen Wechselwunsch angeben und einfach aktiv auf dem Profil sein, Nachrichten rasch beantworten. So erkennt der Algorithmus die Wechselbereitschaft und man „leuchtet“ bei Sourcern auf.

Tipp: Xing bietet mit „ProJobs“ eine Art Inkognito-Modus an. Der Status wird nicht im regulären Xing-Profil angezeigt, sondern nur über einen Recruiter-Zugang sichtbar.

Avanciert „Clubhouse“ gerade zur Sourcing-Plattform?

Clubhouse ist ein absoluter Hype, aber aktuell sind dort noch zu wenig Leute aktiv.

Was muss ich tun, um NICHT gefunden zu werden?

  • Unterschiedliche Profilfotos auswählen
  • Nicht dieselben Nicknames auf den Plattformen verwenden
  • Unterschiedliche E-Mail-Adressen für Social Media-Kanäle hinterlegen
  • Abkürzungen im Vornamen oder Nachnamen (S. Müller, Susi M.)
  • Wenig Informationen freigeben
  • Sicherheitseinstellungen genau durchsehen

Glossar: Was ist Active Sourcing?

Active Sourcing ist ein Recruiting-Ansatz, bei dem Unternehmen gezielt auf potenzielle Kandidat:innen zugehen und diesen eine vakante Position anbieten. Diese Direktansprache kann auf verschiedenen Wegen stattfinden: über den eigenen Kandidatenpool, Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn, via Social Media, auf Messen, über Guerilla-Recruiting etc.

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